Ein Abend für Guarayos

Dr. Ute Glock organisiert eine Benefizveranstaltung für Kinder in Bolivien

MITTELHESSEN-BOTE Mittwoch, 25. Oktober 2017 Lokales
Büdingen (gli). „Ein Abend für Guarayos“ lautete das Motto des Benefizabends am Sonntag im Pferdestall des Büdinger Oberhofs. Zahlreiche Wetterauer Künstler hatten ein buntes Programm mit Musik, Kabarett und Comedy gestaltet. Am Samstag eröffnete an gleicher Stelle die Ausstellung „Impressionen aus Bolivien“.

Die Benefizveranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Immer wieder sonntags“ des Kulturkreises Büdingen statt. 2004 trat die Büdinger Kinderärztin Ute Glock ihre erste Reise nach Ascención de Guarayos in das Tiefland Boliviens an. Dort leben die Nonnen des Heiligen Franziskus, die aus Hall in Österreich kommen. In Ascención liegt ihre Missionstätte. In dem entlegenen Landstrich helfen sie den Guarayo-Indianern. Auch Glock, Jahrgang 1940, wird nicht müde, ihre Hilfe anzubieten. Eine Vielzahl an Spenden haben seit dem Jahr 2004 geholfen, die Infrastruktur und die Lebensumstände der Bevölkerung dort zu verbessern. So wurde eine Geburtsklinik und ein Frühförderzentrum eingeweiht, eine Schule gegründet und ein Ernährungszentrum. 2016 ist ein Taxidienst für das Frühförderzentrum eingerichtet worden. Auch in der Zukunft gibt es noch viele Dinge zu bewältigen. „Die kontinuierliche Projektarbeit wird fortgeführt. Wir benötigen auch einen Pkw für
die Schwestern für Besuche und den Transport von Lebensmitteln. Und ein Multifunktionsgerät zur Herstellung von Sojaprodukten ist in Betrieb gegangen“, berichtet Glock.

Probleme sind Bildung, Gesundheit und gute Nahrung

In der Provinz Guarayos leben, wie sie schildert, etwa 40.000 Einheimische. Besonders Kindern bleibt der Zugang zu Gesundheit, Bildung und angemessener Ernährung verschlossen, ein Sozialsystem gibt es nicht. Auch zahllose schwer behinderte Kinder haben bisher keiner
lei Förderung erhalten. Seit 2010 werden in der so genannten Frühförderstelle „Tau I“ etwa 15 zum Teil schwer mehrfachbehinderte Kinder heilpädagogisch wie auch physiotherapeutisch betreut. Für schulpflichtige Jungen und Mädchen, die nicht in die Regelschule integrierbar sind, gibt es die sonderpädagogische Einrichtung „Tau II“. „Der Sinn ist die soziale Integration, damit die jungen Menschen in die Gemeinschaft integriert werden“, sagt Glock. Auch die Spenden des Benefiz-Abends fließen in das Projekt Guarayos. Mit einer bebilderten Dokumentation, Kunsthandwerk und Handar
beiten aus der Region sowie einem bunten Wochenende
und bolivianischen Speisen wurde das Projekt im Oberhof lebendig. Drei Schwestern des Ordens waren eigens nach Büdingen gereist. „Büdingen ist eine schöne Stadt.
Die Fachwerkhäuser sind toll und die Menschen sehr freundlich“, schildert Schwester Gertrud Schernthanner ihren Eindruck von der Stadt. Sie begleitet Schwester Notburga Maringele, die für die Projekte in Bolivien zuständig ist, und Schwester Maria Verena Wakuhory. Auch viele Weggefährten und Freunde Ute Glocks zeigten Interesse an dem Programm, das das bunte Bolivien mit Tanz, Musik und Lebensfreude zum Ausdruck brachte. Für die Bolivianer galten Tanz und Musik immer als Ausdrucksmittel, für deren Widerstand, Schmerz und die Trauer während der Kolonialzeit. Auch heute werden in vielen Orten Boliviens während des gesamten Jahres zahlreiche Feste mit traditionellen Klängen und Rhythmen gefeiert, um den widrigen Umständen des oft harten Alltags für kurze Zeit zu entfliehen. Gute Laune und Spaß mit Musik und Kleinkunst, erlebt das Publikum im Oberhof. Moderator und Kulturkreismitglied Jörg Grunewald kündigte den Kulturpreisträger des
Wetteraukreises 2004, Martin Schnur, sowie Alexandra Bücking an.

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Dr. Ute Glock

Kulturprogramm für die gute Sache

Mit musikalischer Begleitung von Bücking, sang der Liedermacher aus Friedberg ohne Gefühlsduselei vom lebendigen Alltag in der Wetterau. Mit dem Refrain „Leg‘ die Hände an den Kopf, bis Du es spürst, in Dir steckt ein Keltenfürst“, bezogen sie das Publikum aktiv mit ein. Einen humorvollen Sketch bietet die Theatermanufaktur Büdingen. Rotraud Morell und Gerd Ungermann wagten einen literarischen Ausflug in die Höhen und Tiefen der deutschen Klassik. „Es muss noch etwas Kultur hierher, auch wenn es nur ein Pferdestall ist“, sagte Ungermann mit einem Augenzwinkern und zitierte als Dichterfürst Goethe den „Erlkönig“, kommentiert von Morell, oder den „Handschuh“ Friedrich Schillers. Tine Lott präsentierte Titel der vergangenen vier Jahrzehnten sowie eigene Songs, inspiriert vom internationalen Folk. Humorvoll erzählte sie Geschichten zu Liedern auf der Gitarre und Bluesharp. Markus Karger vermittelte in der Rolle der Frau Kraft die singende Landfrau aus Stockheim. Karger hielt viele Überraschungen aus dem komischen Fach parat und spielt gerne mit Klischees.

Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich mit Ute Glock unter Telefon 0170/5474050 wie auch per EMail an ute.glock@t-online.de in Verbindung setzen. Spenden sind möglich an das Konto der „Missionszentrale der Franziskaner e.V.“, Bank für Orden und Mission, IBAN DE 92 5109 1700 0080 0001 03, BIC VRBUDE 51, Stichwort: Project Guarayos, Bolivien.
„Ein Abend für Guarayos“: Künstler treten für bolivianische Kinder im Büdinger Oberhof auf

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Dr. Ute Glock mit ihren Helferinnen