3. Mit „Plan B“ für die Kirche von heute und morgen
Der sogenannte Plan B kommt meist zum Einsatz, wenn der ursprüngliche Lebensentwurf – der Plan A – aufgrund besonderer Schwierigkeiten oder Umständen nicht ausgeführt werden konnte. „Plan B“ lautete auch das Kabarett von Stefan Haider, der mit feinsinnigem Humor auf die Tatsache verwies, dass kaum jemand die ideale Vorstellung seines Lebens und seiner Berufswünsche umsetzen konnte. Letztlich hat es nur zu Plan B, oder C, D, … gereicht. Aber – und das ist die Pointe – bei genauerem Hinsehen ist meist mit Plan B das verwirklicht worden, was einem entspricht und wofür man letztlich auch dankbar sein kann. Irgendetwas ist dazwischen gekommen oder nicht so gelaufen, wie anfangs erträumt hat, aber: Gott sei Dank! Im Nachhinein betrachtet ein Segen. Plan B – steht nun in unserer Betrachtung für die Entschlossenheit, das Thema Berufung (B) aus einer Ecke der Verlegenheit herauszuholen. Der lebendige Gott, der auferstandene Herr, kommt uns auch heute dazwischen, und ruft ungeniert Menschen, ihm zu folgen. Die Berufungen sind da, aber wir sie müssen freigesetzt werden. Ich bin überzeugt, dass wir in einer Zeit leben, wo viele junge und auch ältere Menschen von Gott angesprochen werden. Vielleicht tun sie sich schwer, in eine Gemeinschaft einzutreten, die sich schon selbst aufgegeben hat – oder wo das ursprüngliche Charisma nicht mehr leuchtet. Plan B ist ein Anstoß, dass wir gemeinsam eine Berufungspastoral wahrnehmen, die nicht von der mühsamen Bedürftigkeit geprägt ist, sondern von der Zuversicht, dass Gott in unseren Tagen viele Menschen braucht, die seine Barmherzigkeit und Leidenschaft für den Menschen erfahrbar machen. Wie die Gestalt dieser Antwort auf seinen Ruf auch immer aussehen mag – Berufungen sind da. Wir sollten außerdem nicht vergessen, dass sich Jesus mit seinem Ruf zur Nachfolge fast immer an Vollbeschäftigte gewandt hat, nie an Leute, die untätig oder lebensunzufrieden irgendwo herumgestanden wären. Übrigens kommt im Miteinander der vielen Kulturen und Sprachen in unseren Gemeinschaften (aus Polen, Bolivien, Ruanda, Vietnam, …) auch eine Anregung, den Plan B stärker vor Augen zu haben. Weltweit gesehen gibt es einen ermutigenden Aufschwung für geistliche Berufungen. Lassen wir uns also auch „von außen“ befruchten.
Liebe Schwestern und Brüder! Ich lade Euch ein, in die erste Liebe Eurer persönlichen Berufung wieder einzutauchen, Eure Herzen mit dem Geist der ursprünglichen Freude der Nachfolge Christi zu sättigen und in einer „Mystik des Wir“ in unserer Gesellschaft präsent zu sein. Wir können und müssen keine Wunder tun. Aber der lebendige Herr, der uns gerufen hat, ist kreativ und initiativ genug, seine Kirche zu erneuern. Der Plan B ist hoffentlich für uns alle eine Provokation und Aufgabe, Neues zu wagen und uns dem Herrn in neuer Weise zur Verfügung zu stellen