Was hat diese Frau mit mir, mit Ihnen und mit unserem Land zu tun? Sie hat im Jahre 1700 die erste unentgeltliche Mädchenschule Tirols für mittellose Mädchen eröffnet und ihren Schützlingen in diesem Rahmen eine elementare Schulbildung vermittelt. Darüber hinaus hat sie auch noch eine zweite Pioniertat vollbracht. Sie rief die erste aktiv-tätige klösterlich lebende, franziskanische Frauengemeinschaft unseres Landes ins Leben. Das heißt also: Sie hat an den geistlichen und politischen Autoritäten des Landes vorbei pädagogisch, spirituell und existentiell Frauengeschichte geschrieben! Denn in Zeiten, in denen es offiziell nur in Klausur lebende Nonnen gab, schuf sie ein ganz neues franziskanisch geprägtes klösterliches Ordensmodell: ein Leben voller Aktion und voller Kontemplation, also kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch – also ganz im Sinne des hl. Franziskus und der hl. Klara –, und das für Frauen aus den untersten Schichten.
Das klingt alles fulminant, bahnbrechend, originell, und genau das war es bestimmt auch, aber ich will es Ihnen nicht verschweigen: Die Schule und die Gemeinschaft kamen nur holprig voran. Es gab keine rechte Vorbereitung, schon gar keine gediegene Ausbildung, kein Geld, und Streitigkeiten mit Bischof und Stadtrat waren an der Tagesordnung. Und es gab nur wenige Freunde, aber viele Männer, die Maria Hueber und ihren Gefährtinnen erklären wollten, wie sie nun zu sein und zu arbeiten hätten. Man kann nur staunen, dass diese Frauen nicht den Mut verloren haben. Sie waren Meisterinnen in der Improvisation und voller Gottvertrauen.
Infos-Frauenreferat