franziskanerinnen tertiarschwestern hall in tirol

Magdalena & Co

Sr. Dr.in Anna Elisabeth Rifeser
gestaltete diesmal die Wallfahrt
und stellte unsere Gründerin
Maria Hueber vor.

Was hat diese Frau mit mir, mit Ihnen und mit unserem Land zu tun? Sie hat im Jahre 1700 die erste unentgeltliche Mädchenschule Tirols für mittellose Mädchen eröffnet und ihren Schützlingen in diesem Rahmen eine elementare Schulbildung vermittelt. Darüber hinaus hat sie auch noch eine zweite Pioniertat vollbracht. Sie rief die erste aktiv-tätige klösterlich lebende, franziskanische Frauengemeinschaft unseres Landes ins Leben. Das heißt also: Sie hat an den geistlichen und politischen Autoritäten des Landes vorbei pädagogisch, spirituell und existentiell Frauengeschichte geschrieben! Denn in Zeiten, in denen es offiziell nur in Klausur lebende Nonnen gab, schuf sie ein ganz neues franziskanisch geprägtes klösterliches Ordensmodell: ein Leben voller Aktion und voller Kontemplation, also kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch – also ganz im Sinne des hl. Franziskus und der hl. Klara –, und das für Frauen aus den untersten Schichten.

Das klingt alles fulminant, bahnbrechend, originell, und genau das war es bestimmt auch, aber ich will es Ihnen nicht verschweigen: Die Schule und die Gemeinschaft kamen nur holprig voran. Es gab keine rechte Vorbereitung, schon gar keine gediegene Ausbildung, kein Geld, und Streitigkeiten mit Bischof und Stadtrat waren an der Tagesordnung. Und es gab nur wenige Freunde, aber viele Männer, die Maria Hueber und ihren Gefährtinnen erklären wollten, wie sie nun zu sein und zu arbeiten hätten. Man kann nur staunen, dass diese Frauen nicht den Mut verloren haben. Sie waren Meisterinnen in der Improvisation und voller Gottvertrauen.

Infos-Frauenreferat

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Sr. Anna Elisabeth bei ihrem Impuls

Wie gerne würde ich Ihnen heute verkünden, dass Maria Hueber eine Pionierin des Frauenpriestertums, eine richtige Feministin und obendrein noch eine Revoluzzerin war. Die Versuchung ist groß, doch als Kirchenhistorikerin möchte ich redlich arbeiten und sprechen und Maria Hueber nicht instrumentalisieren. Ich darf sie mit all ihrer Größe und all ihrer Fremdheit so sein lassen, wie sie ist. Ihr Leben ist inspirierend genug. Sie war ein Kind ihrer Zeit und hatte ihre Themen. Ich habe meine, und ich würde mir sehnlichst Reformen in der Kirche wünschen, am liebsten Veränderungen, die den mystischen und kontemplativen Reichtum unserer christlichen Tradition in den Mittelpunkt stellen und die ganz persönliche Christusbeziehung zum Dreh- und Angelpunkt der Kirche machen. Ich wünsche mir Reformen und dass endlich die Worte des hl. Paulus ernst genommen werden, nämlich dass wir durch den Glauben Töchter und Söhne Gottes in Christus sind, Christus in uns tragen und dass es somit weder Sklaven nochFreie (also kein oben und unten mehr) gibt und dass es zweitrangig ist, ob ich eine Frau oder ein Mann bin, weil wir alle ein Leib in Jesus Christus sind (Gal 3,27‒28).

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Vor dem Dom

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